Als Teilzeit-Grafiker hab ich ja eigentlich nen entspannten Job. Keiner wartet wirklich auf meine Arbeit (die meist weder zeit- noch firmenkritisch ist) und solange Laptop, Kaffeemaschine und WLAN funktionieren, kann ich auch in einer beheizten Berghütte in Nepal arbeiten.
Und mein Arbeitgeber macht’s möglich: Workation, zur Harmonisierung der eigenen Work-Life-Balance. Berufliche Plichten mit Meerblick sozusagen. Nur die Kaffeemaschine war nix.
Ende August war es dann soweit. Später Flug und anschließende Fahrt vom Flughafen ins südliche Sol de Mallorca per Bus und Taxi waren OK bis spannend, s.d. ich irgendwann noch vor Mitternacht beim Ferienhaus ankam. Ein Haus mit sechs Zimmern, sechs Bädern, Küche, Pool und Garten nur für mich. Mega dekadent und extrem assi, wenn man an die einheimische Bevölkerung denkt, die sich keine anständige Wohnung mehr leisten kann.
Ankommen
Erstmal den kleinen optimiert gepackten Koffer ausgepackt, Laptop angestöpselt, WiFi gesucht. Dann zu Fuß zum kleinen Supermarkt und schon mal das wichtigste für zwei Tage eingekauft. Nach etwas Arbeit endlich: Bike abholen.
Der Vermieter Rad International in Peguera lag einige Kilometer entfernt – ich also in absurder Vollmontur ins Taxi. Ich hatte ein Canyon Aeroad CF SL mit mechanischer Ultegra reserviert, was natürlich völlig über meinen Bedürfnissen lag – egal, schließlich kann man auch mal etwas angeben.
Kurz die Sattelhöhe vom mürrischen Mitarbeiter angepasst und es ging los. Erste Tour: zurück ins Ferienhaus.



Nach den ersten Metern bergab war klar: der peinlich laute Leerlauf brachte den Einheitsstouristen dazu, sich nach mir umzudrehen. Zuhause bin ich ja eher ein Understatemet-Flüstern gewohnt. Außerdem hakte die Schaltung in den obersten Gängen etwas.
Ich wollte aber nicht mehr zurück zum Verleiher sondern einfach fahren. Also weiter, rauf und runter, in der ersten Hälfte immer entlang der Ma-1 auf perfekt ausgebauten Radwegen und dann auf der eher wenig befahrenen Straße vorbei an Magaluf bis zur Sackgasse Sol de Mallorca, wo ich erstmal ein paar Stunden arbeiten musste.
Hier die Strecke bei ➡️ Komoot:
Nachmittagsrunde
Wenn man als Teilzeitheini nur 62,5% arbeitet, ist so ein Arbeitstag ja schnell vorbei. Daher wieder rein in die sonnengetrockneten Klamotten und ab auf’s Rad zur zweiten Tour des Tages. Dass diese mehr Überraschungen beinhaltete als gedacht, wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht.



Denn nach nicht einmal 5 Kilometern hatte ich meinen ersten Platten. Seit über 5.000 Kilometern! Vorderrad. Der Reifen ging erstaunlich leicht von der Carbon-Felge runter, s.d. der Schlauch schnell gewechselt war.
Für die schweißtreibende Arbeit entlohnten malerische Straßen vorbei an Olivenbaum-Hainen, Kiefer-Wäldchen, Steinmauern, steile Anstiege, Ziegenherden – alle Mallorca-Rad-Klischees auf fünfzehn Kilometern. Die wenigen spanischen Autofahrer verhielten sich übrigens sehr rücksichtsvoll und umfuhren mich großzügig ohne zu drängeln. Danke.
Die restlichen Kilometer führten schnell durch/vorbei an Peguera, Santa Ponsa, El Torro und Son Ferrer, bis ich mich entschied, die Runde durch den T Golf Calvia noch etwas zu verlängern, weil ich dachte, dass ich dadurch von Westen aus nach Sol de Mallorca komme.
Tjo, dumme Entscheidung obwohl die Strecke bis zur Küste sehr schön war, ich aber kurz vor Schluss mein Rad 700 Meter runter und wieder rauf schieben durfte. Es gab nämlich keine Straße mehr, sondern nur einen holprigen Wanderweg ohne Belag, dafür umso mehr Steinen jeglicher Größe. Hat Spaß gemacht mit den Rad-Schuhen …



Toller Tag
Der erste Tag hat alle Erwartungen übertroffen. Flug in den Urlaub, Pool, Sonne satt, geiles Rad und perfekte Landschaft. Anstrengend aber auch entspannend.
Hier die Runde bei ➡️ Komoot: