Draußen fahren ist besser. Immer. Das steht außer Frage. Frische Luft, echte Straßen, wechselnde Landschaften – Indoor-Training auf dem Rollentrainer kann da nicht mithalten. Aber im Winter, wenn es bereits um 17:00 Uhr dunkel ist, es regnet und draußen zwei Grad hat, sieht die Sache plötzlich anders aus.
Also stehe ich im Keller. Rad auf dem Rollentrainer. App auf dem iPhone. 220 Kilometer im Januar. Der Rollentrainer macht’s möglich – nicht weil ich es liebe, sondern weil es funktioniert.
Warum überhaupt Indoor?
Ganz einfach: Effizienz. Keine Vorbereitung. Keine nasse Kleidung. Keine kalten Finger. Ich kann theoretisch morgens um sechs aufstehen, in Bib-Shorts und Shirt aufs Rad steigen und eine Stunde später geduscht am Rechner sitzen.
Draußen? Da brauche ich allein 15 Minuten, um mich winterfest zu machen: Unterziehsachen, Überschuhe, Handschuhe, Jacke, Mütze. Dann noch Licht montieren, Kleinkram packen, hoffen dass die Reifen noch Luft haben. Und nach der Tour? Rad putzen, Klamotten waschen, auftauen.
Indoor-Training ist die pragmatische Lösung für Leute, die trainieren wollen, ohne dabei Frostbeulen zu riskieren.
Mein Rollentrainer: Thinkrider X2 Max
Ich fahre auf einem Thinkrider. Noch nie gehört? Kein Wunder. Während alle von Wahoo, Tacx oder Elite schwärmen, bin ich mal wieder bei der günstigeren Alternative gelandet.
Der Thinkrider bietet die gleichen Features wie die Platzhirsche – Direktantrieb, bis zu 2.000 Watt Widerstand und 18% Steigungsrate, automatische Steuerung, Verbindung per Bluetooth und ANT+ – kostet aber deutlich weniger. Für mich als Hobbysportler, der eh nie über 400 Watt hinauskommen wird, völlig ausreichend.
OK, manchmal hängt die Übertragung zur App. Ich trete gefühlt 300 Watt, die Anzeige bleibt bei 167 stehen. Dann plötzlich springt sie hoch oder runter, und ich rase virtuell den Berg hinauf wie ein dopinggeladener Tour-Profi. Liegt’s am Trainer? An der App? An meinem iPhone? Keine Ahnung. Nervig ist es trotzdem. So richtig leise ist er trotz Riemenantriebs auch nicht, vielleicht sollte ich aber endlich auch mal die Schaltung anpassen.
Die dazugehörigen Apps sind allerdings der Horror. Eine zur Kalibrierung und sonstigen Einstellungen und eine für’s Training. Erstere ist nicht gerade verständlich und die Trainings-App scheint relativ umfangreich zu sein, das Design mit Radfahrer, der einen Stadtplan anfährt nicht gerade ansprechend.
Ansonsten: solide Verarbeitung und für den Preis kann ich nicht meckern 🙂
Der Rollentrainer kam ohne Kassette. Klingt selbstverständlich, war für mich aber neu: ich musste mir eine 11-fach Kassette kaufen (11-32er, passend zu meiner Ultegra) und … selbst montieren. Nicht kompliziert, aber zusätzlicher Aufwand. Und das Ding braucht Strom – logisch für einen Smarttrainer, man sollte also eine Steckdose in der Nähe haben.

MyWhoosh: Kostenlos und gut genug
Statt Zwift und Co. nutze ich MyWhoosh. Warum? Weil es nichts kostet.
Klar, die Grafik ist nicht so aufwendig, aber ehrlich: mir ist es egal, ob die virtuellen Bäume realistisch aussehen oder Avatare detaillierte Schatten werfen. Ich bin hier, um zu trainieren, nicht um Landschaften zu bewundern.
Was MyWhoosh wirklich gut macht: Trainingspläne. Intervalle, Ausdauereinheiten, strukturierte Workouts – alles da. Ich wähle ein Training, die App steuert den Widerstand automatisch, und ich muss nur treten. Perfekt für Leute, die nicht selbst überlegen wollen. Außerdem gibt’s Gruppenfahrten, Challenges, Rennen und sogar Live-Events. Nutze ich kaum, aber die Option ist da.
Und natürlich kann man seinen Avatar komplett ausstatten und mit den durch das Training hart erabeiteten Coins bezahlen. Trikot, Helm, Bike, sogar Socken.
Nach dem Training fahre ich noch ein paar Minuten Zombie-Escape. Klingt albern, ist aber verdammt anstrengend. Man fährt gegen die Zeit, während virtuelle Zombies hinter deinem Gehirn her sind.


Die Realität: Schweiß und Monotonie
Indoor-Training ist effizient. Aber angenehm? Nicht wirklich.
Problem Nummer 1: Schwitzen.
Draußen sorgt der Fahrtwind für Kühlung. Drinnen gibt’s keinen Fahrtwind. Nach 45 Minuten ist das Handtuch durchnässt, das Shirt klebt, und der Boden unter dem Trainer sieht aus wie nach einem Monsunregen. Ein Ventilator wäre wohl keine schlechte Idee – steht auf meiner To-Do-Liste.
Problem Nummer 2: Monotonie.
Draußen vergeht die Zeit wie im Flug. Drinnen zieht sich jede Minute. Manchmal schalte ich Musik ein, manchmal starre ich nur auf die Wattzahlen. Langweilig? Ja. Aber ist mir egal – ich bin hier, um zu trainieren, nicht um unterhalten zu werden.
Problem Nummer 3: Das iPhone-Display.
MyWhoosh auf dem iPhone funktioniert, aber das Display ist zu klein. Ich würde gerne auf ein iPad umsteigen, brauche dafür aber einen vernünftigen Tisch oder Halterung. Auch auf der To-Do-Liste.
Meine Tochter hat mich neulich gefragt, ob ich da unten im Keller auch meinen Helm trage. Nein, tue ich nicht, aber man merkt, wie absurd das Ganze wirkt …
Aaber, wann hat man schon mal die Möglichkeit seine geliebten Bib-Shorts, Cleats und Handschuhe drinnen zu tragen 😉
Watt, FTP und plötzlich Zahlen-Nerd
Früher habe ich mich nie für Watt-Zahlen oder meinen FTP-Wert interessiert. Draußen bin ich einfach gefahren, ohne auf irgendwelche Metriken zu achten. Aber seit ich den Rollentrainer habe, ist alles anders.
Plötzlich geht’s nur noch um Watt pro Kilogramm Körpergewicht. Wie viel schaffe ich bei einem 20-Minuten-Test? Wie entwickelt sich meine Leistung? Bin ich besser als letzten Monat?
Ich bin zum Zahlen-Nerd geworden. Ohne es zu wollen. Der Rollentrainer macht’s möglich – oder unmöglich, je nachdem, wie man’s sieht.

Warum ich trotzdem weitermache
Weil es funktioniert. 220 Kilometer im Januar sind 220 Kilometer, die ich sonst nicht gefahren wäre. Und auch wenn Indoor-Training nicht so schön ist wie draußen – es hält mich fit. Ich komme an meine Grenzen, schwitze ordentlich und merke die Fortschritte. Manche Touren sind hart, manche entspannt. Je nach Trainingsplan pusht mich die App in Bereiche, die ich draußen nie freiwillig fahren würde.
Und das Beste: Ich kann dreimal die Woche trainieren, ohne mich durch Regen, Dunkelheit oder Kälte zu kämpfen. Wenn im Frühling die Temperaturen steigen, bin ich bereit.
Indoor-Training als notwendiges Übel
Ist Indoor-Training geil? Nein. Ist es besser als draußen? Auf keinen Fall. Aber ist es sinnvoll? Absolut.
Wer im Winter fit bleiben will, ohne sich jeden Morgen in fünf Schichten Kleidung zu zwängen, kommt um Indoor-Training kaum herum. Der Thinkrider X2 Max macht seinen Job, MyWhoosh ist kostenlos und bietet genug Abwechslung, und die Effizienz ist unschlagbar.
Klar, ich schwitze wie ein Schwein, manchmal hängt die Übertragung, und spannend ist es auch nicht. Aber 220 Kilometer im Januar sprechen für sich.